Früher fixer Bestandteil der Streuobstwiesen im Alpen-Adria-Dreiländereck, steht die Kletzenbirne im Fokus des Projekts zur Erhaltung von kulinarischer Identität, Handwerk und Sortenvielfalt dieser Region.

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Slow Food Presidio Kletzenbirne

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Slow Food Presidio Kletzenbirne

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Slow Food Presidio Kletzenbirne

Das Gailtal im Süden Kärntens, die karnische Region im italienischen Friaul und das Soča-Tal im angrenzenden Slowenien sind die Kernzone der Kletzenbirne.

Seit Jahrhunderten wird diese kleine, gerbstoffreiche Frucht auf den Streuobstwiesen kultiviert, man kennt sie als „Kletzen“, „Clôze“ oder auch „Kloatschen“. Auf den Streuobstwiesen wurde zu Zeiten der Donaumonarchie Obst sogar für den Wiener Markt produziert, heute verschwinden diese kleinteiligen, nur händisch bearbeitbaren Wirtschaftsflächen zunehmend aus dem Landschaftsbild. Mit ihnen auch die Kletzenbirnen.

An die 20 Birnensorten werden als Kletzenbirnen verarbeitet, wie Philipp Bodner im Rahmen einer Forschungsarbeit an der BOKU Wien erhoben hat, vornehmlich die Rote Pichlbirne, die Speckbirne und die Weinbirne.

Die Verarbeitung ist jedoch zeitaufwändig. Leopold Feichtinger, Gailtaler Bio- Bauer und Initiator des ersten, grenzüberschreitenden Slow Food Presidios, erklärt die traditionelle Vorgangsweise: „Die Birnen können von den Hochstammbäumen nicht wie Speisebirnen gepflückt werden, wer sie verarbeiten möchte, muss warten, bis sie vom Baum fallen und sie nach und nach einsammeln.“ 

Dann folgt eine Nachreifung bis zu einem Stadium, das in Kärnten als „mohle“ bezeichnet wird: außen noch kompakt, innen jedoch matschig. Die so nachgereiften Früchte eignen sich nicht zum Verzehr oder zu weiterer Lagerung wie Tafelbirnen, sie werden eingemaischt und destilliert, meist aber gedörrt. 

Das behutsame Trocknen der Birnen erfolgte in den letzten Jahrhunderten auf vielerlei Arten – stets im Ganzen, in Dachstühlen auf Kisten oder Gittern, im Gailtal meist direkt in der Stube, indem nach dem Brotbacken die Restwärme im Kachelofen genutzt wurde.

Durch die im Fruchtfleisch enthaltene Restfeuchte können die Kletzen nur direkt verzehrt oder auch in überlieferten Rezepten weiterverarbeitet werden. Im Gailtal als „Kletzennudeln“, im Friaul als süße „Cjarsons“, eine Art Ravioli, im SoçaTal als „Bovški krafi“.

Verleihung Slow Food Presidio Kletzenbirne

Das Presidio Kletzenbirne


Das Presidio nimmt sich des Verschwindens der Kletzenbirnbäume im Dreiländereck an und möchte die Sortenvielfalt der Kletzenbirnen und deren traditionelle Verarbeitung und Zubereitung für zukünftige Generationen erhalten.

Slow Food Presidio Kletzenbirne
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Presidio Kletzenbirne

Kontakt

Das Presidio Kletzenbirne wird unterstützt von Slow Food Travel Alpe Adria Kärnten (www.slowfood.travel) und Slow Food Kärnten (www.slowfood-kaernten.at)

Bei Fragen bitte an:
Slow Food-Koordinator und Leiter Slow Food Convivium Alpe-Adria: Herwig Ertl, Tel. +43 (0) 650 5540080, ertl@herwig-ertl.at 

Produzenten-Koordination
Österreich: Mag. Leopold Feichtinger,
Tel. +43 (0)699 10778746, leopold.feichtinger@gmx.at 
Italien: Luigi Faleschini,
Tel. +39 392 5011119, faleschinibio@gmail.com